Tanz der Aranaea von Roman Lukitsch

Eine Neuerscheinung, die im Bereich “Thriller” angesiedelt ist und an die erfolgreiche Serie “Mit Schirm, Charme und Melone” erinnert – Das ist das Buch “Tanz der Aranaea” von Roman Lukitsch. Just in dem Moment, in dem wir die Besprechung zu dieser Neuerscheinung verfassen wollten, erreichte uns ein Gastbeitrag zu diesem Buch, den wir gern unserer eigenen Besprechung vorziehen – Denn letztendlich schreiben wir für Sie und nicht für uns. Und wenn sich dann ein Leser und Freund guter Bücher vorwagt, um eine Meinung zu einer Neuerscheinung mitzuteilen, dann wollen wir diese nicht zurück halten. Erst Recht, wenn dieser Verfasser selbst ein Schriftsteller ist, wie Sie am Ende des Beitrages erfahren werden. Gute Unterhaltung:

 

“Was hält einen Leser am Lesen, obwohl er das Genre ansonsten kaum liest? Sie ahnen die Antwort? Ich gebe Ihnen meine:

Ich stolperte beim Stöbern im Kindleshop über eine naive Malerei als Buchcover: Es zeigt eine leicht angeschickerte, Rotwein trinkende junge Dame, die recht exaltiert wirkt und dabei außerordentlich charmant mit dem Betrachter des Bildes zu flirten scheint – schon versucht sich mein Blick irritiert aus dieser skurrilen Situation zu lösen und wandert zum Titel „Tanz der Aranaea“ Was, zum Teufel, ist Aranaea? Doch schon muss ich wieder die Dame auf dem Bild anstarren. Was geht hier vor?

Mein Interesse war geweckt und es folgte ‚der Blick ins Buch’ und fünfzehn Minuten später, mein Druck aufs Knöpfchen – diese Leseprobe wollte ich auf meinem Kindle lesen. Schon sehr bald ließ mich die launigflapsige Art des Autors Roman Lukitsch nicht mehr los.

Die Geschichte entführt den Leser zunächst in Harrys Pub, einer nur Insidern bekannten internationalen Drehscheibe für das Söldnerhandwerk in aller Herren Länder. Wer bei Harry verkehrte, der war kein unbeschriebenes Blatt und da unserem, Frauen nicht abgeneigten, Protagonisten Francesco Maria Vancelli (ja, dieser Mann heißt wirklich Maria)  ein Afrika-Auftrag ohne charmante Begleitung nicht ausreichend attraktiv genug war, obwohl sein Chef mit einem dicken Batzen Geld für die erfolgreiche Abwicklung dieses Undercoverauftrages winkte, blieb nur ein Weg: Er gibt im Zürcher Tageblatt eine Zeitungsannonce auf, in der er eine erfahrene Afrika-Begleitung sucht, einen netten Menschen, der aber bitte schön nicht nerven möge, wenn es mal schief läuft …  Ein Wunder, dass sich überhaupt jemand meldet. Die knappe Antwort einer Solange Bergerac lautet: Ich kann das alles und nerve nie … Es folgt eine Telefonnummer. Am anderen Ende der Leitung meldet sich eine Französin, mit stark akzentuiertem Deutsch, zwar springt ihr die Grammatik zuweilen ein wenig von der Schaufel, aber sonst klingt sie gut. Vancelli probiert es mit Französisch: „Bonjour, Madame Bergerac, je m’appelle Monsieur Vancelli. Comment allez vous?“ „Mir ist sehr schlecht, mein Herr, wenn Sie mich weiterhin als die Madame Bergerac titulieren, die ich nicht bin. Bin ich denn meine Mutti?“ Entzückend! Warum bloß, schlägt diese Mademoiselle Bergerac ausgerechnet Harrys Pub für das Erst-Treffen vor?

Um nicht zuviel zu verraten: Unser Frauenheld sieht sich unvermittelt mit zwei jungen Damen auf der Reise, um seinen Auftrag zu erfüllen. Das Trio muss sich mit Geheimdiensten, Söldnerbanden, Milizen und selbsternannten Diktatoren auseinandersetzen und dabei geht es nicht immer nur charmant zu, auch wenn die vor Sprachwitz strotzenden Dialoge manch blutig-grausame Gräuel auf eine Ebene hieven, wo man sich erstaunt fragt, so schlimm war’s doch nun auch wieder nicht, oder? Da, wo im Fernsehen die tiefen Cellotöne schrammeln, um die letzten Nackenhaare hochzustellen, da jongliert der Autor mit gekonnt charmanten Dialogen, die von gewollten Sprachfehlern nur so wimmeln, aber gerade dadurch eine Leichtigkeit erzeugen, die zuweilen, skurril, schrill, aberwitzig und doch auch wieder authentisch im Geiste jener Zeit, der wilden 60er Jahre, erscheinen.    

Gewürzt sind die geschilderten Erlebnisse mit profunden Nahost- und Afrika-Kenntnissen, die den Leser in fremde Kulturen und Gebräuche entführen, dass man bisweilen den Bratengeruch des am Lagerfeuer gegrillten Hammels in der heimischen Stube zu schnuppern meint.

Umwerfend, dieser Erzählstil, der mich bis zum Schluss der umfangreichen und sehr detailliert beschriebenen, aber dies wirklich nur im Sinne eines erzählten Tausendsundeinernacht-Märchens, dass ich mich am Schluss wirklich fragte, ob dieser Autor nicht doch Dutzende von Leuten mit seiner klitzekleinen Drahtschlinge lautlos getötet hat, aber nur ein bisschen, so, wie es nur richtige Aranaeas tun. Sie wollen nun endlich wissen, was Aranaea ist? Ich bin so hinterhältig und sage: Finden Sie es heraus! Diese Geschichte ist derart faszinierend und lebendig geschildert, dass selbst die Toten einsehen müssen, dass sie für einen guten Zweck gemeuchelt wurden …   

Dieser Geschichte gebe ich meine persönlichen 5 Sterne, einfach deshalb, weil gut erzählte Geschichten viel rarer zu finden sind als wir es uns alle wünschen.”

 

Soweit die Meinung zu dem Buch “Tanz der Aranaea“, die uns Herfried Loose, Autor der Bestseller “Ich war nur kurz bei Paul” und “Milchmond” zusandte. Sie ahnen es, wenn ein Autor einen anderen Autor und dessen Neuerscheinung kritisiert, dann ist das um ein Vielfaches interessanter, finden Sie nicht?

tanz der aranaea

Das Buch “Tanz der Aranaea” von Roman Lukitsch überzeugte in der Tat auch uns als Vielleser, auch wenn wir nicht so überschwenglich in den Lobgesang unseres Gastautoren einstimmen wollen. Zusammengefasst ist es sicher gut und auf einem hohen Niveau geschrieben, enthält technisch keinerlei Unzulänglichkeiten und bietet eine hervorragende, spannende und mit intelligentem Humor versetzte Unterhaltung. Der Preis von aktuell 3,51 € für die nahezu 500 Printseiten erscheint ebenfalls als sehr fair gewählt und berechtigt nicht zu einem Punktabzug. (Diesen mussten wir urspünglich vergeben, da das Buch zum Zeitpunkt der Besprechung 6,55 € kostete. – Aktuell ist es für 3,51 € sehr fair).

Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, das gute Unterhaltung auf gehobenem Niveau gewährleistet und eine klare Empfehlung darstellt. Wie gewohnt führt der Klick auf das Cover direkt zum entsprechenden Angebot bei amazon.

Die Bücher "Tanz der Aranaea", und "Johann von Horwarth, der österreichische Nicht-Österreicher", sind jeweils als eBooks und als Paperbacks bei Amazon.de und Amazon.com erhältlich.

 

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 Roman Lukitsch